Der Mai ist gekommen

Ich

Nachdem ich heute Morgen schon eine kleine „lyrische Eingebung“ hatte, zeigt sich der 1.Mai 2009 von seiner schönsten Seite. Sonne, strahlend blauer Himmel, ein lauer, leicht flüsternder milder Wind. Herrlich! Ein erster Besuch in meinem kleinen Rosengarten hinterm Haus bereitet mit etwas Sorgen. Ich muss wohl zur chemischen Keule greifen, um die Pracht der in Kürze blühenden Königinnen der Blumen genießen zu können.
Während ich noch, leicht durch die Sonne geblendet, blinzel, finden sich erst Worte, dann eine Melodie in meinem Gedächtnis ein, nehmen Besitz von mir, wollen nicht mehr loslassen.

Der Mai…
spontan ist es wieder da…

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus…“
… „Da bleibet, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus…“

Längst interessieren mich die Rosen, der glitzernde Tau, in Millionen Farben durch den Schein der Sonne funkelnd strahlend, keine Beachtung mehr. Ich bin von alledem entrückt. Eine Heiterkeit, Beschwingtheit findet Platz in meiner Seele.
„Wie die Wolken dort wandern am himmlische Zelt…“
Lächeln. Ja, lächeln muss ich bei diesen Zeilen. Meine Kindheit fällt mir wieder ein. Ich sehe mich vor der Klasse stehen, im Chor der Erst- und Zweitklässlern, sehe meine Frau Lehrerin vor mir, dirigieren…
„so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt…“

Stocken! Es geht nicht weiter. Immer nur die erste Strophe fällt mir ein, lässt mich erkennen, dass ich seit Jahrzehnten immer nur die erste der vielen Strophen noch summe, singe, flüstere…
Mein Weg führt mich zurück in mein Arbeitszimmer, hin zum PC. Schnell im Internet recherchiert, werde ich umgehend fündig, finde das Gesuchte.

Aha! Gedichtet von Emanuel Geibel (1815-1884). Die Melodie ist eine Böhmische Volksweise. Hatte ich auch längst vergessen. Und da ist auch schon das ganze Lied.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt´!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert;
es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all-
mein Herz ist wie ´ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr´ ich durstig ein:
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing´ ich dazu.

Und find ich keine Herberg´, so lieg´ ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde, die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh´ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Und so habe ich sie wiedergefunden, die alte Volksweise, die mein Herz immer so erfreut. Ans Klavier gesetzt habe ich mich, gesungen dieses Lied am frühen Morgen des 1.Mai 2009. Vergessen habe ich für eine Sekunde der Zeit die Sorgen des Alltags, die Schweinegrippe, die Rezession, die Massenarbeitslosigkeit…

Singt mit!

Lasst Sonne in euer Herz, lasst Fröhlichkeit einkehren!
Vergesst auch Ihr für eine Sekunde der Zeit das Umgebende, denn…

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus!„

PS:
Und wenn es heute kein Mai sein sollte, so singt trotzdem beschwingt mit. Ich tue es auf jeden Fall

Geschrieben und veröffentlicht von mir unter dem Pseudonym Sir Charles Blackwood

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