Die Überwindung

Ich

Er konnte nichts sehen.
Er war geboren in den Unendlichkeit des Endlichen. Gewachsen aus der Vielfalt der Inhalte.
Seit einiger Zeit hatte er das Gefühl, stofflich zu werden. Er wurde von den Wänden zurückgestoßen. Stützte in eine undefinierbare Masse, die sich langsam dahin quälte, wand sich unter Schmerzen wieder hinaus.
An sich waren es keine richtigen Schmerzen. Wie konnte etwas, was keine Masse hatte, auch Schmerzen empfinden. Doch meinte er, das, falls er Schmerzen empfinden könnte, diese sich so anfühlen müssten. Wieder ging es ein Stückchen weiter, ein Stückchen zurück: wie konnte er das in der Dunkelheit feststellen.
Da traf es ihn wie mit einem Dampfhammer. Ein Gleicher hatte sich unter Gewalt mit ihm vereint. Wie die Verschmelzung zweier Zellkerne: explosionsartig und gewaltig.
Er hatte das Gefühl zu krampfen. Und tatsächlich musste es wohl so sein. Die Wände zuckten. Er hatte das Gefühl, etwas Unheimliches in Bewegung gesetzt zu haben.
Er mochte erahnen, das etwas über das, in dem er sich befand, hinüber strich. Es wirkte beruhigend. Und doch dauerte es noch kleine Ewigkeiten, bis die zuckende Bewegung aufhörte.
Er zwängte sich durch enge Kurven. Es ging erst, als er die Klumpen beiseite gedrückt hatte. Und wieder krampfte es. Diesmal nicht so lange. Und es war auch keine streichelnde, beruhigende, Bewegung zu fühlen.
Ewigkeiten schien es so weiter zu gehen. Weitere Vereinigungen folgten. Schmerzhafte Verschmelzungen. Dann wurde er zu groß. Er teilte sich. Und wieder krampfte es. Doch diesmal war es wieder war da: das beruhigende Streichen. Wieder tat es seine Wirkung und alles beruhigte sich.

War er Minuten unterwegs? Oder schon Stunden? Er wusste es nicht.
Auf einmal wurde es breiter. Gleichzeitig aber auch fester. Er musste gewaltig kämpfen, vorwärts zu kommen. Eine zeitlang ging es so weiter. Eine kleine Ewigkeit.
Und dann ging nichts mehr. Da vorne war Schluss!
Etwas hielt ihn davon ab, weiter zu kommen.
Es ging einfach nicht mehr weiter.

Da kamen weitere von ihm. Gleich ihm hatten sie sich durchgekämpft. Sie drückten und pressten zusammen. Und dann passierte es! Es wurde hell. Der Druck war weg!

Pfffft – und noch einmal Pfffffffiiiiiuuuutututut. Sie entwichen zusammen hinaus in die unendliche Atmosphäre. Er orientierte sich und sah von oben herab. Sah das Zimmer, den Tisch – die Familie darum sitzen. Und dann hörte er die Stimmen: „Peter – du altes Ferkel! Musst du schon wieder am Esstisch furzen!“

Tags:
Kategorie:

Deine Meinung zu diesem Beitrag:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 - 2020 by Detleff Hasse - www.detleffhasse.de
Alle Publikationen auf dieser Website unterliegen Urheberrecht. Die unerlaubte Verwendung von Inhalten ist deshalb nicht gestattet. Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt.
%d Bloggern gefällt das: