Freitag, der Dreizehnte

Ich

Heute ist es wieder soweit! Nachdem ich das Kalenderblatt abgerissen habe, starrt mich eine magische 13 an. Nun ist die 13 nicht unbedingt eine besondere Zahl, doch wenn man sie mit einem Freitag in Verbindung bringt, dann haben wir “Freitag, den 13.”.
Sicher bin ich nicht abergläubisch. Doch gestern noch las ich, das wir heute wieder einen solchen Tag haben. Und da ging mir durch den Sinn, das die Nachbarin schon immer davor gewarnt hat.
“Alles Quatsch,” denke ich so bei mir. “Was soll da dran sein. Wir schreiben das Jahr 2001. Da gibt es doch keinen Aberglauben mehr.”
Also sause ich um die Bettecke und bleibe prompt mit dem Fuß hängen.
“Au! Verdammt noch mal!” Aufpassen ist Glücksache. Leise fluchend humple ich um die Ecke und verschwinde in der Küche, um mir einen Kaffee zu kochen.
Natürlich ist der Kaffee alle. Schiet!
Hat aber nichts mit dem magischen Freitag zu tun. War einfach nur zu faul, neuen Kaffee zu kaufen. Warum muß er auch gerade heute alle werden? Also, Teebeutel in die Tasse und heißes Wasser drauf. Werde gleich mal in den Supermarkt sausen und Kaffee holen. Wie soll ich sonst arbeiten können, ohne den Betriebsstoff.
Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, daß ich den Schirm mitnehmen muß. Es regnet Bindfäden. Das ausgerechnet eine Sturmbö mir den Schirm zerhaut, als ich ihn aufspannen will, war wieder reiner Zufall. Also, Kragen hoch und schnell über die Strasse. Nix wie rein in den Supermarkt. Dort angekommen sortiere ich erst mal meine Einzelteile.
So ein Mist! Der Schirm war gerade ein Jahr alt und hat auch noch 200 DM gekostet. Wo ist mein Chip? Natürlich habe ich den in der anderen Jacke. Heute geht aber auch alles schief. Geldbörse raus und eine Mark gesucht. Natürlich habe ich immer einige Markstücke bei mir – nur heute nicht!
Na dann! Ran an die Kasse und Geld getauscht.
“Sie müssen schon warten, bis die Kasse auf ist!” Die Kassiererin ist auch mit dem verkehrten Fuß aufgestanden. Was kann ich denn dafür, du blöde Kuh! Zwei Kunden weiter – natürlich hat sie mich beim ersten Öffnen der Kasse vergessen – habe ich meine Mark. Danke!
Mark in den Einkaufswagen und ab in den Supermarkt. Es dauert auch nur zwei Gänge und ich bin beim Kaffee angelangt. Ah!!! Meine Sorte ist alle! Nehme ich halt den daneben. So jetzt noch zum Brot. Wenn ich schon mal hier bin…
Ein Stapel mit Sonderangebote zieht mich magisch an. Nix wie hin – sind eh schon alle da. Ran an den Stapel! Aua!!! Irgendein Trottel ist mir mit seinem Wagen in die Hacken gefahren. Ich drehe mich um.
“War ich das?” Der Mann hinter mir schaut mich an.
“Wer sonst, du Arsch!”, denke ich bei mir und humple davon. Heute ist nicht mein Tag. Das mit dem Angebot war eh nichts. Waschpulver habe ich noch genug. Also, ran zur Kasse. Oh Gott, da stehen ja Hunderte an. Wenn das so weiter geht, brauche ich keinen Kaffee, sondern ein Bett!
Ein stechender Schmerz durchzuckt mich. Nein – nicht noch einmal! Ich drehe mich um. Da steht tatsächlich wieder der Kerl von vorhin.
“Nochmal, und Sie müssen einen ausgeben”, war sein Kommentar. Ich verkniff mir meine Antwort, sonst wäre ich geplatzt. Jetzt hat er auch noch die zweite Haxe erwischt! Brauche ich jetzt einen Rollstuhl? Alles nur für Brot und Kaffee.
Endlich bin ich an der Kasse. Meine Sachen aufs Band werfen, meinem Hintermann ausweichen, war eine Sache von Sekunden. Vorsichtig blicke ich mich um. Aha, er hält Abstand!
Vor mir diskutiert die Kassiererin mit einer alten Frau. “Nein, der Joghurt kostet 39 Pfennig!”
Die alte Frau ist aber der Meinung, dass er nur 29 Pfennig kostet. Also macht die Kassiererin erst einmal die Kasse zu und schaut nach. Dauert also wieder seine Zeit, bis sie zurück ist. Natürlich hatte die Oma recht. Wer so mit der Rente rechnen muss, kann nur Recht haben.
Also komme ich anschließend auch dran. Der Groll der Kassiererin ist mein, als sie meinen Kaffee in den Wagen feuert. Gut, dass ich keine Gläser dabei habe.
Zuhause schütte ich mir erst einmal eine Tasse Kaffee auf. Irgendwie schmeckt er wie Spülwasser. Ich habe den Koffeinfreien erwischt! Oh Mann, heute geht aber alles schief. Es ist mittlerweile schon 11:49 Uhr. Na ja, denke ich so bei mir, der Tag ist ja schon halb rum.
Nachdem mir meine Bratkartoffel angebrannt sind, setze ich mich gegen 13:30 Uhr an den PC um zu arbeiten. Wollte ich damit nicht schon um 9 Uhr anfangen?
Meine Füße tun weh…
Der Rechte vorne und hinten, der linke nur hinten. Ich verschwinde ins Bad, um sie zu kühlen. Zwanzig Minuten später fange ich dann endlich an zu arbeiten. Es geht leidlich voran, bis mein PC abstürzt. Irgendeine Schutzverletzung. Man sollte die Dateien regelmäßig abspeichern. So sind jetzt “nur” 2 Stunden Arbeit zu Teufel.
Ich habe die Schnauze voll und beschließe, heute gar nichts mehr zu machen. 20 Minuten später sitze ich wieder am Rechner und arbeite weiter. Es gelingt mir tatsächlich, zwei Stunden Arbeit auf die Festplatte zu bannen. Danach stört mich das Telefon. 30 Minuten später habe ich zwei irgendwie nutzlose Telefonate geführt, um festzustellen, dass es sich wohl für heute nicht mehr lohnt, produktiv zu arbeiten.
Der Magen knurrt – ich mache mir Brote und trinke ein Bier dazu. Der Kaffee ist eh nicht zu genießen, so schwach wie der ist.
Mittlerweile habe ich Kopfschmerzen und beschließe, etwas zu lesen und lasse die Flimmerkiste aus. So gegen zehn Uhr sage ich mir, dass der Tag abgehakt werden muss. Ist das nun ein typischer Freitag, der dreizehnte, oder habe ich heute – übervorsichtig wie ich war, nur einfach Pech gehabt?
Ich weis es nicht. Der Blick auf den Funkwecker sagt mir, dass wir jetzt schon 23:12 Uhr haben – und es ist Donnerstag der 12.

Was???

Da habe ich doch heute Morgen aus Versehen zwei Kalenderblätter abgerissen! Oh Gott, was stimmt denn jetzt? Habe ich nur Pech gehabt – geht das Ganze morgen erst richtig los?
Nein, nicht dran denken! Einfach schlafen und sich überraschen lassen, oder nicht? Oder doch?
Einschlafen kann ich auch nicht…
Ich wander aus…
Ich kaufe nur noch Kalender ohne die Zahl dreizehn…
Ich schlafe ein…

Vor Jahren von mir geschrieben und veröffentlicht unter dem Pseudonym Kart-Huber Hase

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