Die Teufelsgeigerin

Mythos

Sandra Mair war schon im Gymnasium verschlagen, führte die Mädchenclique die das Sagen hatte an. Kein Trick war ihr schlecht genug, kein Druckmittel zu hart, um ihre Ziele und Ansichten durchzusetzen. Wie auch bei Dr. Schneider, glücklich verheiratet, 38 Jahre, 2 Kinder und ihr Musiklehrer, den sie erst während einer Privatstunde mit Oralsex gefügig machte, anschließend erpresste, nur um das Stipendium für die Musikhochschule zu bekommen. Das der arme Mann, den sie immer mehr unter Druck setzte, eines Tages nicht mehr konnte, sich ans Steuer seines Autos setzte, eine Flasche Wodka in sich hineinschüttete und gegen den nächsten Baum raste, tat sie nur mit einem Schulterzucken ab. Pech – muss ich mir halt ein neues Opfer suchen. Wer sie kannte, wusste sie sich zum Freund oder wurde gnadenlos fertiggemacht. Wobei Letzteres die wahrscheinlichere Alternative war.

Und so schaffte es Sandra Mair im Laufe der Jahre und zahlreichen, nennen wir es einmal „Privatstunden“, eine recht passable Violinistin zu werden. Doch von einem Durchbruch, oder gar einer herausragenden Leistung konnte man nicht sprechen. Doch dann machte sie die Bekanntschaft von Vladimir. Er nannte sich einfach nur Vladimir, war auf einmal einfach da, ohne dass man wusste, woher er kam. Er war ein stiller Kommilitone mit dunklen, dämonisch funkelnden Augen. Geheimnisvoll und mystisch. Er hatte es ihr irgendwie angetan, so dass sie zögerte, ihn zu einer „Privatstunde“ einzuladen. Doch irgendwie entwickelte sich die Geschichte dann wie von selbst.

Und dann kam der Tag, wo Vladimir verschwand. So unscheinbar, wie er aufgetaucht war, so verschwand er auch wieder. Weshalb er nicht mehr da war, interessierte auch nicht wirklich jemanden. Und auf die Idee zu kommen, die Polizei mit Nachforschungen zu beauftragen, kam auch niemand. Nur Sandra hätte etwas dazu sagen können, doch sie schwieg. Und dies aus gutem Grund.

Beim nächsten Vorspielen, das rund 4 Wochen später erfolgte, standen alle Münder auf, wollte keiner seinen Ohren trauen. Zauberhafte, sphärische Klänge entlockte Sandra Mayr ihrem Instrument. Sie schien mit ihrem Instrument eine Einheit zu bilden, verwachsen zu sein. Töne aus tiefster Seele berührten die Herzen der Menschen, der Bogen entlockte der Violine Klänge, die noch nie ein Mensch gehört hatte. Der Erfolg blieb nicht aus. Sandras Karriere ging steil nach oben, sie wurde ein Weltstar. Kein Konzert, das nicht ausverkauft war, keine Theaterkasse, die nicht bestürmt wurde, nur um eine der begehrten Konzertkarten zu ergattern.

Und wie entscheiden Sie?
Kann es sein, das diese Geschichte, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag, der reinen Wahrheit entspricht?
Oder habe ich versucht, Sie nur geschickt hinters Licht zu führen?
Vieles sieht bei näherer Betrachtung anders aus, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

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