Seife mit Haltbarkeitsdatum

Ich

Die Tage, irgendwann in diesem Monat, meinte meine Frau, ich solle ihr doch vom Einkauf eine bestimmte Seife mitbringen. Wo ich sie kriege, wo sie im Laden zu finden ist: also, all diese kleinen, aber wichtigen und unwichtigen Nebensächlichkeiten aus Sicht eines Mannes, merkte ich mir beim Frühstück zwischen zwei Brötchenhälften, die es zu vertilgen galt. Da es nicht ihre gewohnte Toilettenseife war, fragte ich sie, wofür sie diese, mir doch recht rudimentär erscheinende, Seife benötigt.
Naja, was soll‘s… ich schnappte mir, nach dem letzten Schluck erkaltenden Kaffees meinen Autoschlüssel, vergewisserte mich, ob ich auch Einkaufszettel und Geld eingesteckt hatte und machte mich auf den Weg.
An diesem Samstag meinte es nicht nur der Wettergott gut mit mir, wir hatten am frühen Vormittag immerhin schon 22°C und wolkenlosen Himmel, sondern auch der Straßenverkehr. Um diese Zeit bei uns in der City einen Parkplatz zu finden, ist fast so einfach, wie sechs Richtige im Lotto. Doch heute hatte ich Glück.
Im Nu hatte ich kurz darauf meine Besorgungen gemacht, als mir siedendheiss die Seife einfiel, die meine Frau noch haben wollte. In Gedanken wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Uff – nochmal gut gegangen!
Somit wechselte ich schlagartig meine Laufrichtung und fand kurz darauf im Schilderwald der Leuchtreklamen den „Türkischen Market“.
Ich also hinein, Einkaufskorb geschnappt und in Richtung Seife gelatscht. Laut der Beschreibung, die ich noch im Kopf hatte, musste das Regal gleich nach dem Waschpulver kommen. Aha! Da war das Waschpulver. Ich siegessicher um die Ecke – nix! Blumenvasen und allerlei Gerempel – nur keine Seife. Augen rechts, Augen links. Nix!
Hmmm…, was nun? Ich kratzte mir mit der rechten Hand gedankenverloren am Kopf, zog Dackelfalten – und erwischte den Inhaber. Ob ich denn etwas suche, fragte er, auf mich zukommend. Schlaues Kerlchen, dachte ich so bei mir, und nannte ihm den Wusch meiner Begehrlichkeit.
Wir haben umgeräumt, meinte er zuvorkommend lächelnd. Die „gute“ Seife ist jetzt bei den Drogerieartikeln im übernächsten Gang links. Er wuselte, freundlich lächelnd mir den Weg zeigend, vor mir her. In der Servicewüste Deutschland sicher keine Selbstverständlichkeit, ging es mir durch den Kopf. Alle schimpfen über Türken und Ausländer, aber Lob hält sich in Grenzen. Muss ich demnächst einmal etwas drüber schreiben, notierte ich mir in Gedanken in meinem imaginären Storyboard.
„Hier, mein Herr!“ Seine Worte rissen mich aus meinen Überlegungen. Nachdem ich mich bei ihm für die Hilfe gedankt hatte, schaute ich genauer hin. HACI SAKIR – da hatten wir sie ja schon. Vier verschiedene Duftnoten lagen dort. Flieder, da war sie. Ich packte mir vier Stücke in den Einkaufskorb und machte mich auf den Weg zur Kasse.

Zuhause angekommen, empfing mich zwischen Tür und Angel die Frage meiner Frau, ob ich denn auch an die Seife gedacht hätte. Na klar! so meine Antwort. Ist bei dir gar nicht so selbstverständlich, war nur ihr knapper Kommentar, während sie schon wieder im unteren Teil des Hauses verschwand. Ich verstaute die Grillsachen im Kühlschrank und packte den Rest auf den Tisch.
Alleine mit mir und meinem Durst im leeren Haus, schnappte ich mir einen Kaffeebecher, füllte den schwarzen Muntermacher hinein und setzte mich an den Tisch. Erst einmal einen Schluck trinken. Mein Blick fiel auf die Seifenstücke.
Ich nahm eines zur Hand, drehte es in alle Richtungen, hielt es an meine Nase und roch daran. Als alter Rosenfreund und Gartenliebhaber war mir der Duft sogar recht angenehm, wenn auch etwas einfach, fast wie Kernseife. Ich drehte das Seifenstück und las den Text auf allen Seiten. Aha, 200 Gramm schwer ist sie. In der Türkei hergestellt. Höllisch interessant. Aha, sogar eine richtige Badeseife ist das. Kann ich mir zwar nicht vorstellen, dass ich mich damit abseifen soll. Braucht meine Frau sicher, um die Gartenhosen abzuseifen, oder was auch immer. Doch dann wurde ich mit einem Schlag munter und aufmerksam. Da stand doch tatsächlich ein Satz, den ich dreimal lesen musste…

Es wird empfohlen nach Öffnung der Verpackung innerhalb von 3 Jahren aufzubrauchen.

Seife

Das musste ich erst einmal verdauen und wirken lassen. Nicht nur, dass ein Stück Seife bei uns im Haushalt, kaum ausgepackt, auch schon wieder aufgebraucht ist. Nein, da sollte man aufpassen, dass man so ein Stück Seife innerhalb von 3 Jahren aufbraucht. Heißt das, es gibt auch Leute, die diese 200 g Seife noch länger in Benutzung haben? Jedenfalls stieg meine Hochachtung vor dem Türkischen Hersteller ins Unermessliche. Ist er doch in der Lage, eine Seife für schlappe 79 Cent das Stück (Verkaufspreis inkl. 19 % Mehrwertsteuer) herzustellen, welche nach Anbruch 3 Jahre ihren Dienst erfüllt, ihren Duft abgibt und Menschen das Gefühl höchster Reinlichkeit vermittelt.
Aber abgesichert hat es sich ja wohl doch: mehr als 36 Monate Nutzungsdauer – davon rät er ab. Da sollte sich die Deutsche Seifenindustrie einmal eine Scheibe von abschneiden. Solch einen Haltbarkeitshinweis habe ich jedenfalls noch auf keinem Stück deutscher Seife gefunden. Und am Abend, so halb am Einschlafen, da ging mir noch ein weiterer Gedanke durch den Kopf:

Welche Ferkel waren eigentlich der Anlass für diesen Sicherheitshinweis??? Wer kommt so lange mit einem Stück Seife aus? Oder ist sie so schlecht, dass man sie, nachdem man sich einmal damit abgeseift hat, sie ehrfurchtsvoll in die Ecke legt? Jedenfalls ging mir die Seife mit dem Fliederduft in der Nacht nicht mehr aus dem Kopf.

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