Tod im Kühlwagen

Ich

Ernst Schubert war seit seinem 14. Lebensjahr, direkt nach Abschluss der Hauptschule bei der Bahn. Ein Beruf, der ihm Spaß machte. Quasi eine Tradition in der Familie. Sein Vater und auch sein Großvater waren schon bei der Bahn. Zwar hatte es bis heute keiner von Ihnen je zu einer höheren Position gebracht, geschweige denn, zu einer sicheren, pensionsberechtigten Beamtenstelle, doch die Bahn, die große weite Welt, das war ihr, das war sein Leben.
Mittlerweile war Ernst Schubert 22 Jahre alt. Sein Leben hatte einen eingefahrenen Trott: morgens um 5 Uhr aufstehen, um 6 Uhr mit dem Vater zusammen am Verschiebebahnhof sein, den Dienst beginnen und am Abend um 17 Uhr Feierabend. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Am Wochenende hin und wieder in die Disco. Aber so richtig war es nichts für ihn. Er lebte zurückgezogen, war recht introvertiert und hatte so seine Probleme mit den Mädchen. Nicht zuletzt wegen seines Handicaps – er stotterte, sobald jemand ihn direkt ansah.
Heute hatte er eine andere Aufgabe bekommen. Er sollte einige Güterwagen, die auf dem Abstellgleis standen, überprüfen. Eine neue, für ihn besondere Aufgabe, die ihn nervös machte, seinen Tagesrhythmus durcheinander brachte.
Als er im Halbdunkeln, leichte Nebelschleier ließen das Bahngelände dämonisch, mystisch erscheinen, das Nebengleis erreichte, sah er schemenhaft die Wagen stehen. Wenige Schritte nur, und er hatte den ersten Wagen, den es zu überprüfen galt, erreicht. Die Seitentür stand auf, er schwang sich in den Wagen. Vom Schwung angeschoben, schlug die Türe zu. Er stand im Stockdunkeln und sah gar nichts mehr. Ein Druck auf den Schalter der Maglite, die starke Stablampe flammte auf und ließ den Innenraum erkennen. Er versuchte die Türe wieder zu öffnen, doch sie klemmte, ließ sich nicht aufschieben. Er leuchtete den Innenraum ab und stellte fest, dass er in einem Kühlwagen stand. Der Schreck fuhr im in die Glieder. Frühestens heute Abend, wenn sein Vater auf ihn wartete, er die Stechuhr nicht drückte, würde man ihn suchen. Das wären über 12 Stunden, die er in dem Kühlwagen zubringen musste. Er hatte schon davon gehört, dass Menschen in dieser Zeit elendig erfroren waren.
Heinz Schubert zog die Jacke enger, schlug den Kragen hoch. Die Kälte schien schon an ihm hoch zu kriechen. Ihn fröstelte. Jetzt habe ich auch noch meine Tasche mit dem heißen Kaffee stehenlassen. Lediglich das Notizbuch, den Stift und die Checkliste hatte er eingesteckt. Er rüttelte wieder an der Türe, doch sie gab keinen Millimeter nach. Sicher war der Sicherungsriegel außen zugefallen. Das hieß aber auch, dass er jetzt wenigstens einen halben Tag, wenn er Pech hatte, bis zum nächsten Morgen hier aushalten musste. Seine Füße wurden kalt. Er trat auf der Stelle, um sich warm zu halten. Es half. Kurze Zeit später schwitzte er, dass seine Wäsche nass wurde. Er hielt ein, da seine Muskeln krampften. Eine weitere halbe Stunde später kroch die Kälte wieder seine Beine hoch. Er hatte sich mittlerweile auf eine in der Ecke stehende Metallkiste gesetzt. Mittlerweile hatte er einen Entschluss gefasst: er wollte, wenn er hier schon erfrieren musste, seinen Tod akribisch dokumentieren. Und so schrieb er von Zeit zu Zeit einen Zettel, versehen mit Datum und genauer Uhrzeit, seinen genauen Zustand. Wie die Beine gefühllos wurden, wie er immer schläfriger wurde, die Kälte in seine Knochen kroch, er verwirrt wurde…

Am nächsten Morgen suchte man Heinz Schubert. Und man fand ihn auch recht schnell in dem Kühlwagen. Er lag in der Ecke des Kühlwagens, um sich herum jede Menge beschriebene Zettel, und war tot. Mit Entsetzen las man die Dokumentation seines Erfrierungstodes. Doch was allen unverständlich war, war die Tatsache, dass erstens Mitte August die Nachttemperatur nur so um die 18° C lag und das Kühlaggregat des Kühlwagens gar nicht in Betrieb war. Sicher, er konnte sich nicht befreien, da die Sicherheitsverriegelung, aus welchen Gründen auch immer, zugeschnappt war, doch bei diesen milden Temperaturen konnte er unmöglich erfrieren. Hatte Heinz Schuberts Gehirn ihm einen Streich gespielt? Hatte es ihm das Gefühl des Erfrierungstodes so glaubhaft vorgespielt, ihn erleben lassen, dass er tatsächlich daran gestorben war?

 

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Eisen im Spinat

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Eisen im Spinat ist das Paradebeispiel für einen Irrtum, der durch stete Wiederholung zur vermeintlichen Wahrheit wurde: Das Grünzeug mag Popeye stark machen, viel Eisen aber enthält es nicht. Ein medizinisches Fachblatt trug nun die populärsten Legenden zusammen, an die selbst Ärzte glauben.

Die Legende vom außergewöhnlich eisenhaltigen Spinat kam bereits 1890 in die Welt: Der Physiologe Gustav von Bunge hatte korrekt den Eisengehalt von 100 Gramm Spinat mit 35 Milligramm bestimmt. Allerdings hatte er getrockneten Spinat untersucht, der zehnmal so viel Eisen enthält wie die gleiche Menge frischen Krautes. Das hier aber Konzentrat mit Frischware verglichen wurde, geriet bald schon in Vergessenheit: Die Mär vom Gemüse, mit dem sich Mangelerscheinungen kurieren lassen, ging um den Globus – und lebt fort.

Popeye, der fehlernährte Seemann: Seine viel zu einseitige Diät hätte ihm keine Eisen-Fäuste verliehen
Ihren populären Ausdruck fand sie in Popeye (*1929), in Deutschland lange mit dem Beinamen „der Spinatmatrose“ bekannt, der wahrlich keinen Mangel leidet: Er führt sich Dosenspinat in Massen ein, worauf ihm die Muskeln schwellen – ein Mann mit Fäusten aus Eisen.

Das tatsächlich im Spinat enthaltende Eisen ist für Menschen per Verdauung noch nicht einmal verwertbar. Korrekt wäre es nach aktuellem Kenntnisstand, seinem Nachwuchs die Vorzüge des grünen Papps stattdessen mit seinem Vitamin-, Eiweiß- und Mineralgehalt zu begründen. Seit Generationen aber muss das Eisen herhalten, das gesunde Kraut schmackhaft zu machen: Legenden sind hartnäckig.

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Scharf angebranntes Fleisch bleibt saftiger

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Stimmt nicht! In Experimenten mit identischen Fleischstücken wurde eines scharf angebraten, das andere normal gebraten. Wenn wirklich mehr Saft in dem scharf angebratenen Fleisch erhalten bliebe, hätte es hinterher schwerer sein müssen. War es aber nicht. Die hohe Hitze sorgt dafür, dass sich die Oberflächenproteine im Fleisch zu einer braunen Kruste verbinden (Maillard-Reaktion), die den typischen Geschmack ausmacht. Diese Kruste ist aber keinesfalls wasserdicht.

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Ein Schälchen mit Backpulver im Kühlschrank absorbiert schlechte Gerüche

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Stimmt nicht!
Das ist vielleicht ein Märchen der Backpulver-Hersteller. Aktivkohle funktioniert deutlich besser, ist aber teuer. Wickeln Sie geruchsintensive Speisen lieber in Plastikfolie und reinigen Sie Ihren Kühlschrank von Zeit zu Zeit.

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Olivenöl ist zum Frittieren überhaupt nicht geeignet

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Stimmt nicht! Natives, kalt gepresstes Olivenöl fängt bei etwa 180 Grad an zu rauchen, raffiniertes Olivenöl sogar erst bei 210 Grad. Es ist damit durchaus zum Frittieren geeignet – wenn man denn das Olivenaroma mag. Man könnte jedoch das teure Olivenöl für den Salat aufheben, wo es sein volles Aroma entfalten kann, und in der Pfanne ein günstigeres Öl verwenden.

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Das Fruchtfleisch im Orangensaft sind in Wahrheit Baumwollfasern

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Stimmt nicht! Bei der Konzentrierung von frisch gepresstem Saft wird überschüssiges Wasser und Fruchtfleisch ausgesiebt und eingefroren. Hier bei uns wird das Konzentrat dann wieder auf sein ursprüngliches Volumen gestreckt. Laut Fruchtsaftverordnung dürfen dabei nur Wasser, verlorenen gegangene Aromastoffe und das bei der Herstellung gewonnene Fruchtfleisch zugesetzt werden.

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Zerkratzte Teflonpfannen können Krebs erzeugen

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Stimmt nicht! Teflon (kurz für Polytetrafluorethylen) ist ein Stoff, der mit kaum einem anderen Stoff reagiert, auch nicht mit Bratensäften. Erst bei Temperaturen über 260 Grad beginnt die Teflonschicht sich zu zersetzen – egal, ob angekratzt oder nicht. Dann können tatsächlich krebserregende Substanzen freigesetzt werden, die zu grippeähnliche Symptomen („Teflonfieber“) führt. Dafür müsste man die Pfannen aber eine ganze Zeit lang auf dem Gasherd gezielt überhitzen. Bei solchen Temperaturen wäre das Essen schon längst verkohlt und ungenießbar.

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Ein Silberlöffel in der Flasche hält die Kohlensäure im Sekt

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Stimmt nicht! Die einzige Möglichkeit, die Kohlensäure am Entweichen zu hindern, ist ein richtiger Korken. Mit oder ohne Löffel macht kaum einen Unterschied. Es sei denn, die Flasche ist schon warm geworden. Dann kann ein Metalllöffel helfen, den Sekt im Kühlschrank schneller abzukühlen. In kaltem Sekt bleibt mehr Kohlensäure.

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Aufgetaute Lebensmittel nicht wieder einfrieren

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Stimmt nicht! Die entsprechenden Hinweise auf Tiefkühlverpackungen sind nur eine gesetzlich vorgeschriebene Warnung, da der Hersteller nicht garantieren kann, dass der Verbraucher mit dem Lebensmittel zu Hause richtig umgeht. Das Einfrieren unterbricht das Wachstum von Mikroorganismen, tötet sie aber nicht ab, so dass sie sich beim Auftauen wieder vermehren können. Stark angetaute rohe Lebensmittel sollten möglichst schnell verbraucht oder fertig zubereitet (gegart) werden. Als fertige Speise können sie dann noch einmal eingefroren werden.

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